BTP FinOps für Schweizer Mittelstand
BTP-Credits, Hyperscaler-Bills und AI-Units monatlich gegen tatsächlichen Verbrauch – mit Tag- Tiefe, Verfalls-Tracking und einer Verhandlungs-Position für die nächste RISE-Runde. Statt Excel-Schau: ein FinOps-Rhythmus, der Verfall vermeidet und Budget glaubwürdig macht – auch im Verwaltungsrat.
Worum es geht
BTP-Credits sind teuer, intransparent und werden oft pauschal gebucht. Hyperscaler-Bills (Azure / AWS / GCP) sind auf der Stunde getaktet, aber selten nach Workload sortiert. AI Units werden seit Premium-Plus-Repackaging separat lizenziert und haben eigene Verfalls-Logik.
Wer nicht aktiv steuert, verliert dreifach: ungenutzte Credits verfallen, AI-Units werden fehlplatziert, und in der nächsten RISE-Verhandlung fehlt die Substanz für eine Position.
Was wir aufbauen
Drei monatliche Rituale
1. Cost-Reporting (30 Min/Monat)
BTP-Credit-Verbrauch nach Komponente (Integration Suite, Build, AI Hub, Vector Engine), Hyperscaler-Bills nach Tag und Workload, AI-Units nach Use-Case-Owner. Das Reporting läuft automatisch – der Termin im Kalender ist 30 Minuten Diskussion mit IT-Leitung und Finance, nicht 3 Tage Excel-Sitzung.
2. Routing-Review (15 Min/Monat)
AI-Hub-Routing-Regeln gegen tatsächlichen Verbrauch. Welcher Provider für welchen Use-Case? Wo läuft Anthropic, wo OpenAI, wo SAP-eigen? Jeder Provider hat anderes Cost-Profil – das Routing wird quartalsweise getunt, nicht jährlich.
3. Verhandlungs-Vorbereitung (1 Stunde/Quartal)
Vor jeder RISE-Verlängerung: 12-Monats-Verbrauch gegen Vertrags- Volumen, Verfalls-Quote, AI-Aktivierungs-Trend. Daraus eine konkrete Verhandlungs-Position – nicht "wir nehmen das gleiche nochmal", sondern "Premium Plus minus Datasphere, plus AI-Units- Tranche von 200, mit Q3-Anpassungs-Klausel".
Tooling
- SAP Cloud ALM für BTP-Credit-Tracking (im RISE-Vertrag drin)
- Hyperscaler-native FinOps-Tools (Azure Cost Management, AWS Cost Explorer, GCP Billing)
- Aggregations-Layer auf Datasphere oder Power BI – eigenes Modell, das BTP + Hyperscaler + AI Units gemeinsam zeigt
- Optional: Apptio Cloudability oder CloudHealth für grössere Setups (>500k CHF Cloud-Spend p.a.)
Cost-Governance-Modell
Drei Rollen:
- FinOps Lead (typisch Controller mit IT-Affinität): treibt die Rituale, eskaliert bei Abweichungen
- Workload Owner (Fachbereich): Entscheidet Cost-Trade-offs für seinen Use-Case
- Cloud Architect: Setzt Routing-Regeln und Tags um
Klein anfangen: 1 FinOps Lead, 2-3 Workload Owner. Skaliert mit BTP-Reife.
Typische Findings im ersten Quartal
- 15-25 % Credit-Verfall beim Erstaufsatz – meist Datasphere- und Build-Apps-Komponenten, die langsamer adoptiert werden als geplant
- 3-5 Tag-Lücken bei Hyperscaler-Bills – Workloads ohne klares Owner-Tag, schwer zuzuordnen
- 2-3 AI-Routing-Fehlentscheidungen – Use-Case-Workloads laufen auf zu teurem Provider, weil Default nicht angepasst wurde
Allein das Beheben dieser drei reduziert die Cloud-Bill typisch um 8-15 % im ersten Jahr.
Was es bringt – und was nicht
Bringt:
- Credits werden monetarisiert statt verfallen
- Verhandlungs-Position vor RISE-Verlängerung mit Substanz
- AI-Aktivierungs-Budget glaubwürdig – Verwaltungsrat hat Zahlen statt Versprechen
- Cost-Anomalien (Run-Away-Workload) werden im selben Monat erkannt, nicht erst im nächsten Quartal
Bringt NICHT:
- Magisch günstigere Cloud – das Tooling zeigt Verbrauch, es reduziert ihn nicht von selbst
- Ersatz für Architektur-Entscheidungen – wenn das Setup falsch gewählt ist, kostet's zwar transparent, aber trotzdem viel
- Schnelleres GO-Live – FinOps ist Betriebs-Disziplin, nicht Implementierungs-Tool
Schweizer Spezifika
- Datenresidenz-Reporting: für GxP-Setups (Pharma) und sensible Industrie-Daten muss Cost pro Region nachweisbar sein – nicht nur global
- CHF-Volatilität: Hyperscaler abrechnen oft in USD; eigenes FX-Reporting separat halten
- Region Switzerland-Aufschlag: 10-25 % gegenüber EU-Region für gleiche Workloads – bei GxP-Pflicht akzeptabel, sonst kritisch prüfen
Vorgehen – typischer Aufsatz
Woche 1-2: Cost-Inventar (was läuft wo, wer ist Owner?), Tag-Konvention definieren, FinOps Lead nominieren
Woche 3-6: Aggregations-Layer aufsetzen (BTP + Hyperscaler + AI Units in einem Dashboard), erste Reports ziehen
Woche 7-12: Drei Rituale etablieren, Workload Owner schulen, erste Verhandlungs-Position für nächste RISE-Runde formulieren
Ab Monat 3 läuft der Rhythmus selbst – die monatlichen Termine werden zur Routine.
Was wir nicht empfehlen
- "Wir machen FinOps wenn die Credits knapp werden" – dann ist es zu spät, Verfall ist passiert
- Nur Hyperscaler-FinOps: BTP + Hyperscaler + AI Units gehören in EIN Dashboard, sonst sieht niemand das Gesamt-Bild
- Manuelle Excel-Reports: nach 3 Monaten verlassen, Aggregations- Layer ist günstiger als der monatliche Aufwand
- FinOps an externe Berater abgeben: Ownership im Haus behalten – externe machen den Aufsatz, dann übernimmt FinOps Lead
Wenn Sie vor einer RISE-Verlängerung stehen und keinen klaren Verbrauchs-Bild haben: 60 Minuten Standortbestimmung zur Cloud-Cost-Lage liefert die Daten, mit denen Sie verhandeln statt schlucken.
Stand: 2026-05-10
