RISE with SAP vs GROW with SAP 2026 – wann was wirklich passt

Worum es geht

Seit GROW with SAP 2023 als Greenfield-Schwester von RISE eingeführt wurde, hat sich die Trennlinie wieder verwischt. Beide Pakete enthalten S/4HANA Cloud, beide bringen BTP- Credits, beide laufen auf Hyperscaler. Wo die Pakete sich unterscheiden, steht meist im Kleingedruckten – und genau dort entscheidet sich, ob Sie 2027 zufrieden sind oder nach- verhandeln müssen.

Diese Einordnung trennt strukturelle von kosmetischen Unterschieden und gibt eine Entscheidungs-Matrix, die aktuell ist.

Die strukturellen Unterschiede 2026

1. Migrations-Pfad

RISE ist primär für Brownfield-Conversion gebaut. Bestehende ECC- oder ältere S/4HANA-Setups werden mit SUM DMO konvertiert, inkl. Custom-Code-Erbe.

GROW ist Greenfield. Sie bauen auf SAP-Standard, mit Activate- Methodik und ohne Custom-Code-Migration.

Wer einen substantiellen ECC-Bestand hat, kommt um RISE praktisch nicht herum – Greenfield bedeutet Datenmigration plus Re-Implementation aller Eigenentwicklungen.

2. BTP-Credits

Beide Pakete bringen BTP-Credits, aber:

Tipp: BTP-Credit-Verbrauch über 36 Monate modellieren BEVOR Sie unterschreiben. Wer am Ende sechsstellige Beträge verfallen lässt, hat schlecht verhandelt.

3. Hyperscaler-Wahl

RISE: Azure / AWS / GCP, mittlerweile auch Alibaba in einigen Regionen. Schweizer Region (Azure Switzerland North, AWS eu-central-2) seit 2024 verfügbar.

GROW: aktuell nur Hyperscaler die SAP für GROW selektiert hat – weniger Spielraum als bei RISE.

Wer Datenresidenz in der Schweiz strikt braucht (GxP, sensible Industrie-Daten), sollte das vor Vertrags-Unterschrift mit dem Cloud Account Executive klären, nicht erst danach.

4. FUE-Preismodell

Seit Juli 2025 gilt das neue Fixed-Use-Equivalent (FUE)- Preismodell für RISE. Der Basis-Preis ist sichtbar höher als das alte Premium, dafür sind einige Komponenten anders verteilt.

Für viele Mittelständler bedeutet das: jährliche Subscription- Kosten +15-25 % gegenüber 2024. Wer 2025 noch unter altem Modell abgeschlossen hat, hat einen Vorteil. Wer 2026 unterschreibt, sollte Repackaging-Klauseln explizit verhandeln.

Drei Bausteine mit Marketing-Risiko

"RISE ist günstiger als On-Prem"

Die Subscription-Form versteckt Investitions-Kosten anders, ist aber nicht automatisch günstiger. Vor allem bei langen Halte- perioden (>5 Jahre) und stabiler Last kann On-Prem rechnerisch überlegen sein. Eine TCO-Analyse über 3-5 Jahre – Lizenz/Hosting, Programm-Aufwand, Custom-Code-Pflege – ist die einzige seriöse Grundlage.

"GROW ist immer schneller"

Greenfield-Implementierungen sind oft schneller bei kleinen Setups (<100 User, wenige Werke). Bei Mittelstand mit gewachsenen Prozessen ist die Zeit für Re-Implementation der Eigenentwicklungen plus Daten-Migration plus Change Management nicht zwingend kürzer als ein sauberer Brownfield-Run.

"BTP-Credits sind im Bundle"

Sie sind teilweise im Bundle, teilweise nicht. Datasphere und Joule Premium wurden bei RISE Premium Plus aus dem Bundle rausgenommen. Wer auf "ist alles dabei" vertraut, zahlt nach.

Was 2026 konkret zu beachten ist

Repackaging-Anpassungen seit Juli 2025

SAP hat das Premium-Plus-Bundle umgeschnitten:

Wer AI-Aktivierung nach Go-Live plant, sollte die Zusatz- kosten für Joule Premium und AI Units realistisch in den Mehrjahres-Business-Case einrechnen – typischerweise mid- six-figure CHF pro Jahr für ein Mittelstands-Setup mit 350 aktiven Usern.

Compatibility Pack-Auslauf 31.05.2026

SAP Compatibility Pack für ECC läuft am 31.05.2026 aus. Wer noch ECC betreibt und Output Management oder Kreditkarten- Integration nutzt, muss vor diesem Datum entweder migriert haben oder eine RISE-Vertrags-Variante mit Wartung bis 2033 nutzen. Diese Variante kostet aber zusätzliche BTP-Credits – rechnen Sie 5-stellige Beträge pro Jahr ein.

SAP Business Data Cloud Switzerland

Seit 2025 mit Azure Schweiz-Region und EU-Access verfügbar. Für GxP-Workloads in der Schweizer Pharma und für sensible Industrie-Daten reicht das in vielen Setups – bei besonders strengen Datenresidenz-Anforderungen ist ein Sovereign-Cloud- Sondervertrag zu prüfen.

Was 2026 NICHT kommt (entgegen früher Ankündigungen)

Entscheidungsmatrix für Schweizer Mittelstand

Situation Empfehlung
ECC-Bestand >100 User, gewachsene Prozesse RISE Brownfield
Greenfield-Vorhaben, <100 User, Cloud-First GROW
Mehrere Werke, Konsolidierungs-Projekt RISE Brownfield + Tochterbeteiligung-Strategie
GxP-Pflicht (Pharma) / strenge Datenresidenz RISE mit Sovereign-Cloud-Klausel
Innovations-Pilot (1-2 Werke) GROW Pilot, später RISE Konsolidierung

Was vor der Unterschrift unbedingt geklärt sein muss

  1. BTP-Credit-Pool über 36 Monate modelliert – verfallen Credits, oder sind sie monetisierbar?
  2. Hyperscaler-Region schriftlich fixiert – Switzerland oder EU?
  3. Brownfield-Tiefe geprüft – wie viele Z-Programme tatsächlich, Tier-1/Tier-2/Tier-3-Bereinigung priorisiert?
  4. Repackaging-Klausel – was passiert wenn SAP 2027 wieder umstrukturiert?
  5. AI-Komponenten explizit gelistet – Joule Premium drin oder draussen?
  6. Compatibility Pack-Übergang geplant – vor 31.05.2026 migriert oder Wartungs-Vertrag bis 2033?

Empfehlungen für 2026

  1. TCO-Vergleich über 3-5 Jahre für RISE, GROW und On-Prem- Verlängerung – nicht aus dem Bauch entscheiden
  2. Custom-Code-Inventar vor RISE-Verhandlung – Tier-Klassifikation hilft beim Verhandeln des Cleanup-Aufwands
  3. AI-Strategie vor BTP-Credit-Verhandlung – was wollen Sie 2027 wirklich produktiv haben?
  4. Sovereign-Cloud-Klauseln für regulierte Branchen früh einbringen – nachträglich teurer
  5. Verwaltungsrats-Sitzung mit RISE-Bewertung vorbereiten, nicht mit Sales-Pitch

Was wir nicht empfehlen

Wer einen Vertrag auf dem Tisch hat und in 4 Wochen vor der GL-Sitzung steht: 90 Minuten RISE-Bewertung mit unabhängigem Architektur- und FinOps-Blick liefern Klarheit, bevor Sie unterschreiben.

Stand: 2026-05-10

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